September 2007

Viehwirtschaft auf 4’400m Höhe.Viehwirtschaft auf 4’400m Höhe.

Wir verlassen Cusco

Beim Verlassen unseres Lagerplatzes, noch vor der grossen Plaza, werden wir mit der Trillerpfeife und durch Winken von einer Polizistin zum Anhalten aufgefordert. Sie meint, wir mit unserem LKW, dürften hier nicht fahren. Unsere Frage, was nun, konnte sie leider nicht beantworten. Auf die Frage nach dem Weg nach Lima, wusste sie keine Antwort. Wir bedankten uns (für was auch immer) und fuhren unsere Richtung weiter. Nach einer verbotenen, von weiteren Trillerpfeifen begleiteten Fahrt rund um die Plaza, kam erneut ein Zwangsstopp. Für die direkte Zufahrt zur Avenida de Sol müssten wir eine Bewilligung haben. Unsere Antwort, wir fahren nach Lima muchas gracias, und ohne die Polizistin weiter zu beachten fuhren wir weiter.

Soll einer noch erzählen, die Polizei in Peru sei nicht auch hilfsbereit.

Von Abancay nach Nazca, 400km

Die Hauptstrasse 26A führt meist auf grosser Höhe in unzähligen Serpentinen auf namenlose Pässe und weite Hochebenen bis auf schwindelnd hohe 4'500m und erschloss uns ein unvergessliches Panorama. Schneegipfel, bebaute Terrassenfelder, Seen, Inkadörfer und unzählige Alpakas machen eine Anden-Idylle perfekt. Nachdenklich gestimmt haben uns die vielen Grabkreuze in den Kurven.

Nach dem letzten Pass auf 4'300m ging es durch kahle Wüstenlandschaft in vielen Kurven auf 590m runter nach Nasca.

Die weltberühmten Linien und Bodenzeichnungen von Nasca und Pampas de Jumana, mysteriöse Scharrbilder in der Wüste, wurden von einem präkolumbischen Küstenvolk, das ca. 200 Jahre vor Christus lebte und das heute Nasca genannt wird, erstellt.. Die bizarren Tierbilder entfalten ihre ganze Rätselhaftigkeit erst, wenn man sie aus der Luft betrachten kann. Bis zu 5 km lange Linien, Dreiecke und trapezförmige Flächen, sowie Figuren mit einer Größe von zehn bis mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Fischen (Walen). Oft sind die figurbildenden Linien nur wenige Zentimeter tief eingekratzt. Durch das Wegräumen der oxydierten, eisenhaltigen dunkleren Oberfläche kam die darunter liegende hellere, sandgelbe Schicht zum Vorschein.

Wir überflogen einen Teil des 700 qkm grossen Gebietes und waren beeindruckt von den mehrheitlich noch gut erhaltenen Geoglyphen.

Arequipa

In der peruanischen Grossstadt mit ihren über 900'000 Einwohnern standen wir, wegen fehlen von Campingplätzen, für einige Tage im Innenhof des Hostals Las Mercedes.

Wir besichtigten das Kloster Santa Catalina, dessen Geheimnisse erst ab 1970 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Das Kloster Santa Catalina gilt als eines der wichtigsten religiösen Bauwerke aus der Kolonialzeit. Es liegt nahe dem Stadtzentrum und wurde 1579 auf Beschluss des Rates der Stadt erbaut, da die bereits vorhandenen drei Klöster die Novizinnen nicht mehr aufnehmen konnten. Viele der reichen spanischen Familien gaben ihre zweite Tochter für „Gott und Himmelreich" ins Kloster. Bis zu 150 Nonnen sollen hier zusammen mit ihren Dienerinnen in strenger Klausur gelebt haben. Alle 4 Jahre wurden fortan 8 Novizinnen aufgenommen, die eine Mitgift von mindestens 1.000 Goldpesos zum Unterhalt des Klosters erbringen mussten. Englische Teppiche, spanische Seidenvorhänge, flämische Spitzentücher, gepolsterte Stühle, Damast, feines Porzellan und Silber gehörten zur „Ausstattung". Man fand eine autarke Stadt inmitten Arequipas vor, in der die Zeit 1579 stehen geblieben zu sein schien, sieht man einmal von den Zerstörungen durch die Erdbeben ab.

Mindestens jedes 2. Fahrzeug in der Stadt ist ein Kleintaxi. Eine rund 15 Minuten dauernde Fahrt kostet ca. drei Soles (1.20 SFR). Im mehrspurigen Grossstadtverkehr fühlt man sich in den schnell fahrenden, immer hupenden Taxis wie auf einer Geisterbahn. Bis jetzt gehören Arequipas Taxifahrer für uns zu den agressivsten des südamerikanischen Kontinentes.

Der Dackel „Haberton" im Hostal verteidigte sein Revier. Wir mussten mit Amigo ausserhalb Gassi gehen. Dies war dann auf einer sechsspurigen Strasse auf dem Grünstreifen in der Mitte der Fall. Hektischer Verkehr auf beiden Seiten. Am Abend bei einbrechender Dunkelheit spazieren wir auf beschriebenem Streifen - plötzlich einen gewaltigen Knall.

Unmittelbar rechts vor uns ist ein Picup frontal in einen 8 Meter hohen Signalträger gefahren. Das Signalschild kippte auf die rechten zwei Fahrspuren und blockierte diese. Wir sind recht erschrocken.

Der Fahrer ist einige Sekunden hinter dem Steuer sitzen geblieben und dann ruhig ausgestiegen, hat das total zertrümmerte Vorderteil seines Wagens begutachtet, die herausgeflogene, aber noch intakt auf dem Boden liegende Frontscheibe hinten aufgeladen und mit seinem Natel die Polizei angerufen. Dass in der Folge keines der schnell fahrenden Fahrzeuge bei den schlechten Sichtverhältnissen in den Signalmast reindonnerte, grenzte an ein Wunder. Keine Unfallsicherung, auch nicht als die Polizei dabei war.

Der Fahrer tat uns leid, denn der verwahrloste Zustand seines Fahrzeuges zeigte, dass für die Beschaffung eines anderen, fahrbaren Untersatzes wahrscheinlich kein Geld vorhanden ist.

Paragleiter-Tandemflug

Während 2 Wochen standen wir auf dem Gelände der Paragleiterschule Altazor des Schweizers Philip Maltry in Iquique. Der Platz ist sehr schön oberhalb einer Meeresbucht am Hang eines riesigen Dünenberges gelegen.

Mit Leo, einem der Fluginstruktoren startete ich für einen Tandemflug, welcher mehr als eine Stunde dauerte, zuerst entlang des Berggrates und dann quer über die Stadt Iquique zur Landung an die Beach führte.

Im Gegensatz zum Motor- oder Segelflug sitzt man völlig im Freien, kein Blech und Glas um sich herum, auch keine Fluggeräusche - absolute Stille, bequeme, ungestörte 180 Grad Sicht, und ausser den Füssen, nach unten auch keine Sicht behindernde Konstruktionen. Wie ein Kondor geräuschlos in der Thermik kreisend, den Wind im Gesicht, sich lautlos von der Kraft der Natur in die Höhe tragen zu lassen, war für mich als früherer Hobbypilot schon ein sehr eindrückliches Fliegen.

Eine absolut gelassene Punktlandung im weichen Sand war der krönende Abschluss dieses für mich neuen Flugerlebnisses.

Andenkondor

Der Colca Cañón ist eine bis 1'200m tiefe Schlucht in Peru und bietet eine atemberaubende Landschaft. Die oberen Hänge des Cañons sind vielfach von menschlicher Hand zu Terrassen strukturiert, viele davon schon mehrere hundert Jahre alt. Auch die heutigen Bewohner verwenden sie für eine effizientere Landnutzung. Diese Terrassenstrukturen gaben dem Gebirgszug der Anden seinen Namen.

Am frühen Morgen haben wir vom höchsten Punkt, dem Cruz del Condor, über den Rand des Cañons aufsteigende Kondore während ihren Flugvorführungen hautnahe beobachtet.

Der Andenkondor ist eine Vogelart, die zu den Neuweltgeiern gehört und einer der größten, flugfähigen Vögel der Erde. Körperlänge 110cm, Gewicht 12kg. Seine Flügelspannweite kann bis zu 3.2 Meter erreichen. Damit besitzt er eine der größten Spannweiten im Reich der Vögel, mit der er eine Flughöhe von bis zu 7'000 Metern erreichen soll. Die Federn auf der oberen Gefiederhälfte sind weiss. Er hat eine flaumige und weiße Halskrause und einen rötlich gefärbten Kopf. Er kann ein Alter von über 70 Jahren erreichen.

Der Andenkondor ist ein Aasfresser, jedoch kommt es vor, dass er durch heftige Flügelschläge versucht seine Beute (zB. Kühe, Bergziegen, Schafe), wenn sie sich an steilen Berghängen aufhält, zum Absturz zu treiben. Nachdem das Tier verendet ist, kann er seine "erlegte" Beute verspeisen.

Wie viele Kranke habt ihr an Bord, fragte ein LKW-Chauffeur uns auf einem Parkplatz. Ich war überrascht und sagte, keine. Wahrscheinlich hat er das vorne aufgeklebte Schweizerzeichen als Rotkreuzzeichen verwechselt.
Manchmal sind schon zwei kranke an Bord, aber richtig körperlich krank waren wir während der ganzen Reisezeit noch nie!!!

Fotogalerie

Peru: September 2007