August 2010

In Bolivien noch AlltagIn Bolivien noch Alltag

Ortskenntnisse

Unser Ziel in Sucre war das Hotel Austria, um Robusto im bewachten Hof sicher abzustellen. Auf einer Kreuzung wurden wir von einem Verkehr regelnden Polizisten angehalten. Wir dürften wegen LKW Fahrverbot nicht weiter ins Zentrum fahren. Wir fragten ihn nach dem Hotel Austria, er wusste aber nicht, wo dieses ist. Wir versprachen ihm, bei der nächstmöglichen Gelegenheit zu wenden. Dies war bei einer Tankstelle der Fall.

Dort fragten wir nochmals nach dem Austria. Ja, da seien wir vorbeigefahren, es sei neben dem Autobusterminal - genau dort, wo der Polizist auf der Kreuzung den Verkehr regelte!

Effekte der grossen Höhe in Bolivien

Unsere Espressomaschine liefert auf 3'800 Meter am Morgen nicht mehr richtig heissen Kaffee. Aber wichtiger ist, dass die Heizungen funktionieren. Einige Tage später nur noch auf 2'600 Meter ist der Kaffee auch wieder echt heiss.

Kokablätter

Wie normal und selbstverständlich die Bolivianer mit Kokablättern umgehen, sahen wir wieder einmal am Sonntagsmarkt in Tarabuco. Da sass ein altes Mütterchen hinter einem riesigen, sicher m3 grossen Plastiksack gefüllt mit Kokablättern. Ein kleiner Plastiksack davon um Tee zu kochen, kostete uns dann etwa 3 Sfr. Der Tee schmeckte angenehm und erfrischend.

Die Indios, welche die Blätter in die Backe stecken und dort mit einer Mischung Kalk während ca. 2 Stunden lagern, nutzen so die Energie, die Koka spendet. Es stumpft die Sinne gegen Kälte und Erschöpfung ab. Aus diesem Grund sind die Blätter vor allem für die bolivianischen Minenarbeiter unentbehrlich.

Wissenschaftler, die Studien über Koka erarbeitet haben, sind sich einig, dass vom Kauen des Blattes keine Gefahr ausgeht. Dieses Ergebnis bestätigt sogar ein Papier der Weltgesundheitsorganisation. Als Folge der Noriega-Studie von 1949 steht Koka, genau wie Kokain und Heroin, aber auf dem Index der UN-Drogenkonvention.

Wer auch nur einen Teebeutel voll mit nach Europa bringt, muss deshalb mit Schwierigkeiten rechnen.

Salar de Uyuni

Erneut waren wir vom Salar wieder total begeistert und haben somit 5 Tage darauf verbracht. Um die verschiedenen Inseln und Sehenswürdigkeiten zu besuchen, haben wir dabei 300 problemlose Kilometer zurückgelegt. Zum Übernachten kann man das Fahrzeug einfach ausrollen lassen. Ein Ausnivellieren ist auf dem flachen Salar nicht nötig. Die Nächte sind mit denjenigen in der Sahara vergleichbar. Klarer, durch kein Fremdlicht beeinflusster Sternenhimmel, kalt und absolut ruhig.

Nach rund 80 km Fahrt auf dem Salar erreichen wir die Kaktusinsel Incahuasi. Wir halten an und trinken im kleinen Touristenrestaurant einen Kokatee und unterhalten uns mit dem netten Venezolaner vom Nachbartisch. Er selber reist mit seinem 4x4 Toyota nicht in seinem Heimatland, dort sei es ihm zu gefährlich - wohnt aber trotzdem in Caracas.

Kurz darauf kommt sein Reisekumpan dazu und sagt zu ihm: „Wow, da draussen steht eine riesige „Casa Rodante", die haben sicher einen Swimmingpool drin".

Grenzübergang Villazon/Quiaca Bolivien/Argentinien

Ohne zu insistieren erhalten wir vom Beamten für Robusto 8 Monate Fahrgenehmigung für Argentinien. Diese Dauer scheint dort im Computerprogramm so gespeichert zu sein. Der Zöllner hat aber am Reservereifen, sowie an einem montierten Reifen nachher den Luftdruck gemessen und verglichen. Wohl um festzustellen, dass der Ersatzreifen nicht mit Kokain aus Bolivien gefüllt war. Wir hatten insofern Glück, dass unser defektes zweites Ersatzrad für ihn nicht zugänglich war. Obwohl es nichts drin hatte, hätte es wahrscheinlich Diskussionen und dadurch Verzögerung bei der Abfertigung gegeben.

Auswuchten der Reifen 14.00 R 20

Nach unserer Bolivien Rundreise wurde es höchste Zeit, dass wir die nun recht abgefahrenen Reifen in Salta mit unseren über ein Jahr dort gelagerten 6 neuen Pneus wechselten.

Wir wussten aus früheren Erfahrungen, dass die 14.00 R 20 zu gross für die Auswuchtmaschine waren. Ich lockte die Mechaniker mit einem grosszügigen Trinkgeld, sofern sie unsere Reifen auswuchten könnten - mit Erfolg. Der zu kleine, klemmende Radschutz wurde von der Auswuchtmaschine entfernt, die Schliesssicherung überbrückt und dem genauen Auswuchten stand nichts mehr im Wege. Nun erfreuen wir uns am ruhigen Lauf der neuen Reifen bei jeder Geschwindigkeit - ohne „Jimmy".

Sparsam

Wir spielten über eine Woche Golf auf dem längsten Platz in Südamerika, der sehr schön auf 1'600 Meter ausserhalb Cafayate gelegen ist. Robusto stand auf dem Camping „Luz y Fuerza" welcher einer Elektrizitäts-Gesellschaft gehört.

Eines Nachts stellte ein junger Argentinier in unserer Nähe unter einem Baum sein Zelt auf.

Die Zeltstangen schienen ihm abhandengekommen zu sein. Kein Problem für ihn, er hängte die Zelthülle an einem Ast auf. Dann sammelte er auf dem Platz kleine Äste und Zweige, um Feuer zu machen. Da er aber nicht der erste Holzsammler war, fand er erbärmlich wenig. Die Temperaturen fallen nachts aber unter null. Brigitte und ich waren uns einig, dass wir schon viel zu lange drei „Bürdeli" knorriges Hartholz mitführten; so fand die Holzübergabe statt.

Dabei erfuhren wir, dass der junge Mann auf seinen Onkel und zwei Cousins wartete, mit denen er dann nach Bolivien fahren wollte.

Drei Tage später fanden wir bei unserer Rückkehr nach dem Golfen drei übrig gebliebene Holzstücke und ein Schild vor unserer Tür, darauf stand: „Muchas gracias Juan".

Fotogalerie

Argentinien & Bolivien: August 2010