Mai 2011

MatrjoschkaMatrjoschka

Ukraine Einreise Zahoni-Chop

Eigentlich wollten wir heute nur bis zu einem Campingplatz kurz vor der ukrainischen Grenze fahren. Während der Fahrt beschliessen wir, den im Internet so negative Schlagzeilen machenden Grenzübergang noch heute zu bewältigen.

Leider dürfen wir diese erste Grenze wegen Robustos Gewicht nicht passieren, sie gilt nur für Pkws bis 3,5 Tonnen und für Autobusse. Da hilft unsere Erklärung, wir seien wie ein Autobus, auch nichts. Niemand versteht ein Wort einer andern Sprache und wir sprechen kein Ukrainisch.

Nach einer Stunde Fahrt stehen wir bei der Grenze Zahoni-Chop. Brigi schafft es, innerhalb einer halben Stunde bei der Ausreise Ungarn sowie bei der Einreise Ukraine unsere Wohnung drei verschiedenen Zöllnern zu zeigen. Ich bleibe am Lenkrad sitzen, allzeit bereit zum Umparkieren und um zu demonstrieren, dass wir keine Schwierigkeiten erwarten. Robusto hat mit seiner Grösse als Camper zuerst etwas Unruhe gestiftet und mehrere Telefongespräche verursacht. Die Zöllner hätten uns lieber in die LKW- Spur verfrachtet. Wir waren aber mit Erfolg auf der Bus-Spur schon sehr weit vorgefahren, so dass unsere Abfertigung ruckzuck ging.

Die Pässe wurden durch den Scan-Schlitz gezogen, die Fahrgestellnummer registriert und der nächste Zielort „Hotel" registriert.

Zwei der kontrollierenden Zöllner haben aber Brigi in unserer Wohnung ganz schön ins Schwitzen gebracht. Viel zu viel Kaffee! Viele Stauraumfächer wurden geöffnet und Brigi kontrollierte unentwegt, dass nichts dazu kam!

Zu guter Letzt: Edy's Schatztruhe - der Humidor wurde geöffnet. Da von vielem (auch Robustos-Zigarren) viel zu viel vorhanden war, erhielten sie von Brigi ein „Present". Ohne Kommentar retournierten sie die erhaltenen kleineren und wechselten sie mit je einem grösseren Kaliber aus - hoffentlich sind sie das Rauchen gewöhnt! Und schon war die Zollkontrolle abgeschlossen. Im Führerhaus noch eine kurze Kontrolle - ausser gebrauchten Kleidern zum Verschenken gab es da offiziell aber nichts. Schwupps und wir waren in der Ukraine.

Ausreise Ungarn sowie Einreise Ukraine eine halbe Stunde. Diese Glanzzeit ist für die Russen sicher schwierig zum Unterbieten!

Nach rund hundert Kilometern Fahrt stellten wir uns auf einen TIR-Parkplatz. Da wir noch keine Hrywnja (Griwna) hatten, erfreute sich der Tankwart an Euros.

Abschiedsgeschenk Schweiz

Gedankenverloren starten wir die Reise in den Osten. Vorabends haben wir uns noch mit anderen Brummi-Besitzern getroffen und Abschied gefeiert. Wir verlassen Luzern und fahren auf der Autobahn zum hundertsten Mal an einem stationären Radar vorbei. Scheinbar unkonzentriert, denn es blitzt. Die später erhaltene Busse war aber minimal, doch unser Abfahrtsdatum ist nun dokumentiert!

Fazit Ungarn

Ein eher flaches Camper-Land mit vielen Thermalquellen zu europäischen Preisen. Wir haben die zum Teil sehr grossen Badewannen genossen.

Pocaljiiv - orthodoxes Himmelfahrtskloster

Für den Besuch des Klosters mussten wir 28 Km vorher von der Nationalstrasse M06 rechts abzweigen. Fahrverbot für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen; eine der vielen Polizeistreifen stand bei der Abzweigung. Wir fragten nach dem Weg und wurden auf die Strasse mit dem LKW-Verbot verwiesen. 3 Km weiter im Ort kam uns ein Polizeifahrzeug entgegen. Wie der Fahrer uns sichtete, gingen sämtliche verfügbaren Lichter an und wir wurden gestoppt. Er gestikulierte Fahrverbot und Geld. Brigi stieg aus und schwenkte die Karte und zeigte auf Pocaljiv. Ich gestikulierte, dass seine Kollegen uns hier durch geschickt hätten. Zum Glück für uns kam gerade sein Chef in einem zweiten Fahrzeug angefahren. Dieser erkannte die Situation schneller und war nicht so geldgierig. Er befahl seinem Untergebenen, uns durch den Ort vorauszufahren und uns die richtige Ausfallstrasse zu zeigen. Dieser erledigte dies, indem er uns noch durch mehrere verbotene Zonen für LKWs durchlotste. Die ganze Übung hatte sich aber gelohnt.

Denn die Klosteranlage ist für uns etwas vom Feinsten, was wir bisher diesbezüglich weltweit gesehen haben. Erstaunlich für uns, dass nur einheimische Pilger und Besucher zu sehen waren. Speziell war, dass Hosen tragende Frauen sich mit einem zu mietenden Tuch vor dem Betreten der Anlage zusätzlich bekleiden mussten. Auch ein Kopftuch war für Frauen Pflicht. Wir bestaunten die grosszügigen, gepflegten Anlagen, die vergoldeten Zwiebeltürme, die wunderbaren Mosaike, und natürlich die üppig ausgestatteten Kirchen mit ihren Seitenaltären. Wie immer man zu der ganzen Kirchensache steht, die Architektur sowie die handwerklichen Leistungen sind spitze.

Öffentliche Verkehrsmittel in L‘viv (Lemberg)

Wir standen einige Tage auf der Pferderennbahn, 10 Km ausserhalb L‘viv. Einerseits wollten wir die interessante Stadt erkunden, anderseits das am Sonntag stattfindende Pferderennen abwarten und miterleben.

Das erste Mal fuhren wir mit einem Taxi in die Stadt und zurück, Kosten pro Fahrt 6.00 Sfr. Da wir schon von Südamerika her wissen, dass Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln viel erlebnisreicher sind, fuhren wir künftig mit den fleissig verkehrenden Kleinbussen. Preis pro Fahrt und Person 0.22 Sfr. Die Busse kann man auch ausserhalb der offiziellen Haltestellen mit Handzeichen anhalten. Normalerweise steigt man bei der vorderen Tür beim Chauffeur ein und bezahlt dem Fahrer in den kleineren Bussen die 2 Hrywnja (Griwna). In den grösseren Bussen fährt eine Kassiererin mit. Da die Busse oftmals hoffnungslos überfüllt sind, werden bei den Haltestellen auch die mittleren Türen geöffnet.

Wir sitzen in einem Kleinbus, der wie eine Sardinenbüchse gefüllt ist. Mir klopft von hinten eine Mitfahrerin auf die Schulter und streckt mir ein 10 Hrywnja-Note vor die Nase. Mein erster Gedanke war: so verwahrlost sehen wir doch sicher nicht aus. Dann zeigt sie mir, dass ich die Note nach vorne weiterreichen und mit einem gestreckten Finger zeigen solle, dass das Geld für eine Person sei. Ich klopfe meinem Vordermann und reiche die Note wie angewiesen weiter. Kurze Zeit später kommen auf dem umgekehrten Weg 8 Hrywnjas zurück! Billets gibt es keine, Kontrollen auch nicht. Wie wir aber beobachteten, funktioniert das System einwandfrei. Kontrollieren sich die Passagiere wohl gegenseitig?

In den faszinierenden, alten Schüttelbechern von Trams, welche ausschliesslich von Frauen pilotiert werden, funktioniert die Sache etwas anders. Die Fahrt für die ganze Linie kostet 0.11 Sfr. Bei den Trams wird vorne eingestiegen un in eine Schiebekassette gibt man das Geld. Die Fahrerinnen ziehen die Kassette in den Führerstand rein, legen Billet und Wechselgeld hinein und schieben das Ding wieder zurück. Seit Budapest wissen wir, dass das Billet nun in den komischen Metallgeräten, die überall hängen entwertet werden muss. Da gibt es verschieden funktionierende. Bei den einen muss man kräftig draufdrücken, bei den anderen nach vorne ziehen; sie funktionieren immer nur manuell. Ich als von der Technik verwöhnter Ausländer habe bei der ersten Tramfahrt das Billet zur Belustigung der Einheimischen in zwei verschiedene Metallknacker reingesteckt. Da ist aber nichts passiert, bis mir dann die lachenden Einheimischen die einfache Funktionsweise der alten Technik erklärten.

Aufgefallen in der Ukraine

  • Sehr viele, sehr schöne Kirchen und Klosteranlagen mit glänzenden Zwiebeltürmen.
  • In den Städten grosszügige Bauweise mit sehr breiten Strassen und gepflegten, grossen Parkanlagen.
  • Strassen und Städte sehr sauber.
  • Starke Polizeipräsenz mit unzähligen Radarpistolen.
  • Für uns absolut ungewohnt: viele introvertierte, unfreundliche Leute, welche unseren Gruss nicht erwidern.
  • Viele Denkmäler, im speziellen an den Krieg. Kampfhandlungen finden in den Grossstädten aber noch täglich im Strassenverkehr statt. Taxifahrer in Südamerika waren im Nichtbeachten von Regeln und massivem Übertreten der Höchstgeschwindigkeit im Vergleich zu den ukrainischen Kollegen wahre Waisenknaben.
  • Einziger offizieller Camping auf unserer Route bisher in Kiev. Sonst haben wir wegen der Sicherheit auf TIR-P, bewachten LKW-Parkplätzen, übernachtet.
  • Ausserhalb der Hauptverkehrsachsen sehr viele Fahrverbote für Fahrzeuge über 4,5 Tonnen.
  • In grossen Supermärkten eine unglaubliche Vielfalt von Produkten. Frischwaren sind wirklich frisch. Eine Flasche Wodka kostet rund die Hälfte einer Flasche Wein. Das Shopping Center Globus mit extrem vielen internationalen Kleidermarken ist zum Teil unterirdisch versteckt um das historische Zentrum nicht zu stören.
  • Sonntags wird in Kiew die 8-spurige Hauptstrasse Khreshchatyk, die größte Einkaufsstrasse, zu Gunsten von Fussgängern und Fahrradfahrern jeweils für den motorisierten Verkehr gesperrt.
  • Sogar in Kiew während mehreren Tagen nur ganz wenige ausländische Touristen gesehen.
  • Der Normalbürger spricht keine Fremdsprache. Sogar am Zoll und in 4-Sterne Hotels sprach niemand Englisch oder Deutsch, geschweige denn Französisch oder Spanisch. Bei gutem Willen verstehen sie uns aber auch, wenn wir Schweizerdeutsch sprechen und dazu passend gestikulieren.
  • Die Frauen-Schuhmode mit sehr hohen Absätzen ist auf den vielen Pflastersteinstrassen nicht das Optimale. Die kurzen Röckchen ziehen auf den Flaniermeilen die Männerblicke auf und an sich.

Fotogalerie

Ukraine: Mai 2011