August 2011

Einziger Gegenverkehr seit drei StundenEinziger Gegenverkehr seit drei Stunden

1. August in der Mongolei

Durch die Zeitverschiebung begann unser 1. August sechs Stunden vor den daheimgebliebenen Schweizern. Es war ein herrlicher Sommertag und wir fuhren auf Höhen zwischen 1‘600 - 2‘200 Meter ü/M mit Temperaturen um die 25 Grad.

Unser nächstes Etappenziel war der Khorgo-Terkhiin Tsagaan Nuur Nationalpark. Sollen wir einen Umweg von ca. 250km auf Hauptpisten fahren oder doch die direkte Verbindungsmöglichkeit nehmen? Mongolische Wegauskünfte können so ihre Tücken haben. Wir erhielten jedoch von einem „Yuppie" (VIP-Touristführer) und einem Ger-Camp-Besitzer in einwandfreiem Englisch erklärt, dass die direkte Strecke über das Hochgebirge Khangai mit unserem Fahrzeug zu befahren sei. Zusätzlich mit dem Hinweis, dass die Brücke in Jargalant letztes Jahr kurz vor der Fertigstellung war und die Passüberquerung kein Hindernis aufweisen sollte.

Die Strecke von Mörön nach Shine-Ider führt während 120km über einen schmalen, nur langsam zu befahrenden Weg. Manchmal glich die ausgewaschene Piste mehr einem Bachbett als einem Fahrweg.

Shine-Ider nach Jargalant: Diese Piste war sicher keine Autobahn: sehr steiles Gelände, herrliche Alpenwelt mit abwechselnden fantastischen Weitsichten, für Höhenfeuer absolut geeignete Bergketten, viele schmale Passagen, schwierig zu befahrende Schräghänge, morastige Wiesen, dazwischen immer wieder kleine Wasserläufe und Auswaschungen. Für 54 Km brauchten wir über 3 Stunden und Robusto schluckte das Doppelte seines normalen Trinkverhaltens. Aber es war ja Schweizer Nationalfeiertag!

Kurz vor Jargalant dann eine in die Steilwand eingelassene, rutschige Abfahrt welche exakt für Robusto gebaut war. Etwas breiter wäre absoluter Luxus gewesen. Dann standen wir vor dem breiten Fluss Ider Gol - leider auf der verkehrten Seite! Die alte, rund 100 Meter lange Brücke ist an mehreren Stellen eingestürzt. Die Neue ist fast fertig betoniert, aber mit fehlenden Auffahrten. Also bleibt nur der Weg durch den Fluss. Rund fünfzig Meter zu einer kleinen Kiesinsel, von dort dann noch 20 Meter weiter zum anderen Ufer - eine Bootsfahrt die ist lustig - durch über 1,30 Meter tiefes Wasser pflügten wir durch den Fluss. Kein Problem für Robusto, und ich habe ja den Bootsführerschein.

Unterwegs hatten wir vorher im Nirgendwo einen deutschen Velofahrer, Peter mit Begleitfahrzeug gekreuzt. Auf unsere Frage über die Pisten und Passstrecke meinte er, diese sei für unser Fahrzeug sicher grenzwertig, da einige sehr enge Kurven auf uns warten würden. In einem alten Reisebericht eines 4x4 LKW Fahrers lasen wir zudem, dass dieser im 2. Gang in der Untersetzung bei einer Geschwindigkeit von 3 Km/h grosse Strecken befahren musste. Wir nahmen daher die Strecke dem Fluss entlang in den Westen bis zur Hauptpiste welche von Ikh-Uul nach Tariat führt. Farbenprächtige, manchmal sehr feuchte Blumenwiesen, die bei nur wenig mehr Wasser ein wahrscheinliches Steckenbleiben verursacht hätten und nötige Umfahrungen wegen weggeschwemmter Piste forderten uns noch kräftig.

Geschafft, wir waren unterwegs auf der Hauptpiste und trafen wieder andere Verkehrsteilnehmer. Wir hatten aber nicht damit gerechnet, dass diese erst kürzlich fertiggestellte Piste in einem furchtbaren, löcherigen Zustand ist. Fahrzeuge suchten sich deshalb ihren Weg bereits wieder seitlich der neuerstellten Haupt-Piste.

Auf einem grünen Hügel mit einer fantastischen Rundsicht fanden wir unseren Lagerplatz. Brigi schob die auf dem Frischmarkt in Mörön erstandene getrimmte Lammkeule in den Backofen. Dazu gab es Couscus und Krautsalat. Nach sehr guter Speise und genügend Trank (Malbec aus Argentinien) liessen wir den ersten August unter einem unglaublich klaren Sternenhimmel in angenehmer Stille ausklingen.

Auf der Alm, da gibts koa Sünd...

Von Bulgan nach Erdenet erwischen wir die falsche (alte) Piste. Wir merken schnell, dass wir nicht richtig unterwegs sind, hoffen aber auf der schlechten Piste auf die Teerstrasse zu stossen. Die Piste führt steil bergauf und wird zum sandigen Bachbett. Da wir schon hier sind, probieren wir, ob wir vorwärts bis zur echten Strasse durchkommen. Wir kraxeln bergwärts und kommen um eine starke Rechtskurve...
Vor uns, auf der sonnigen Wiese liegen Adam und Eva wie sie Gott erschaffen hat. Wir haben sie wohl bei einer wichtigen Handlung gestört, denn sie wirkten etwas fassungslos. Wahrscheinlich sind wir seit langer Zeit das erste Fahrzeug gewesen, welches dieses Bachbett befahren hat! Weiter oben war dann echt kein Weiterkommen mehr.Wir fuhren nach einem heiklen Wendemanöver wieder talwärts. Der Hirte lag alleine auf seiner Wolldecke, die Eva ist wohl ein Feigenblatt suchen gegangen.

Fahren in der Mongolei

In der Mongolei sind ca. 2‘000 Kilometer der Hauptverbindungen geteert. Der Rest von über 50‘000 Kilometer sind Pisten und manchmal nur einige Spuren auf denen man das Ziel anfährt. Berge, Flüsse, Sand oder Lehmböden sind dabei natürliche Hindernisse, die man zu umfahren versucht, ansonsten fährt man einfach übers Land, durch die Steppe/Wüste und sucht sich eine geeignete Spur.
Dank GPS konnten wir uns in den Weiten der Mongolei frei bewegen und wir „gingen nicht verloren". Entweder wir konnten über die GPS-Koordinaten den Punkt auf die Karte übertragen oder wir errechneten aufgrund des Kartenmaterials die Koordinaten und übertrugen diese dann ins GPS und fanden unseren Weg. Zusätzlich war die OSM Karte Mongolei eine gute Hilfe.
Für uns waren die 6‘000 in der Mongolei zurückgelegten Pistenkilometer dank Robusto problemlos zu fahren. In Weichsandpassagen konnten wir mit Pistendruck straflos anhalten und ohne abzusaufen wieder weiterfahren. Mehr Vorsicht war nach heftigen Regen geboten. Über 5‘500 Kilometer passierte mit unseren 20 Tonnen aber nichts Erwähnenswertes und wir kamen überall durch. Dies liess mich dann etwas gar nachlässig werden. Auf einem teilweise unter Wasser stehenden Feld hielten wir an, um nach einer optimalen Durchfahrtsstelle für einen kleinen Fluss zu suchen. Danach beim Anfahren ging es nicht mehr vorwärts, sondern nur noch runter. Die Folge war 3 Stunden Lehm schaufeln und ein gebrochener Stiel der Militärschaufel. Anstrengend, aber es hat geholfen und somit mussten die Sandbleche nicht eingesetzt werden. Das von Russland für Lagerfeuer noch mitgeführte Birkenholz wurde aber geopfert, hinter die Reifen gelegt und beim Rausfahren von Robusto tief in der Spur versenkt. Es hat knapp gereicht und wir haben es geschafft!

Die ausgewaschenen und nicht unterhaltenen löchrigen Pisten in der Mongolei kann man nur langsam bis sehr langsam befahren. Kein Vergleich zu von uns früher befahrenen, geshredderten Pisten in Südamerika oder Afrika. Auch Vorsicht war bei nicht zu vermeidenden Schräghangfahrten geboten.

Die täglich durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit bewegte sich zwischen 15 bis 35 Stundenkilometer.

Unsere Action Mobil Kabine sowie das MAN Trägerfahrzeug TGA 33.480 haben diese Strapazen mit Bravour und ohne den geringsten Schaden gemeistert. Dafür sind wir sehr dankbar, konnten wir uns doch so ganz den unvergesslichen Naturschönheiten und den Begegnungen mit Menschen und Tieren erfreuen.

3 Monate mit dem eigenen Fahrzeug in der Mongolei unterwegs

  • abwechselnde Landschaften mit endlosen, farbenprächtigen Weiten, kristallklaren Seen, leuchtendem Sternenhimmel, wildblühender Steppe und nach Regen grüner Wüste.
  • Wer nicht gerne fährt und auch nicht längere Zeit alleine auf sich angewiesen sein kann, sollte die Finger von den langen, einsamen Strecken der Mongolei lassen.
  • Pisten, soweit das Auge und der Diesel reicht.
  • Viele frei laufende Schaf-, Ziegen-, Rinder- Yak- und vor allem Pferdeherden Die Tiere, insbesondere auch die Pferde, haben in der Mongolei ein schönes, Tier gerechtes Leben. Sie können sich Art gerecht in Herden aufhalten und sind Sommer und Winter im Freien oder nachts in geschützten Unterständen.
  • Jurten, deren Bewohner traditionell im wilden Galopp durch die Steppe und um ihre Herde reiten, oder aber moderne Hirten, die vor ihrem Motorrad die Tiere heimtreiben. Nette, sehr neugierige, einfache Menschen, mit denen wir uns leider fast nur mit Händen und Füssen und mit dem Wörterbuch ohne Wörter (Langenscheidt) verständigen konnten.
  • Eindrückliche Buddhisten Klöster mit einigen wieder aufgebauten Tempelanlagen.
  • Deftige Mahlzeiten...
  • Viele leere, zerschlagene Wodka-Flaschen am Wegesrand.
  • Müll wird zum fahrenden Auto rausgeschmissen oder nach dem Picknick einfach liegengelassen.
  • Die Mongolei ist mit ihren Jurten wohl der weltweit grösste und schönste Campingplatz. Absolute Freiheit zum irgendwo wild stehen; ohne Parzellierung und Registrierung und erst noch „for free".
  • Unseren Wassertank haben wir mit der Tauchpumpe bedenkenlos aus den riesigen Seen oder den glasklaren Flüssen nachgefüllt. In Ulanbatar wie auch in den Aimags hat es öffentliche Wasserstellen. Die Einwohner füllen dort ihre Plastikbehälter und Kannen mit Wasser, die sie dann auf Schubkarren nach Hause schieben.
  • In Ulaanbataar kann man alles Nötige und Unnötige einkaufen. In den Aimagzentren erhält man alle Grundnahrungsmittel und Einiges dazu. Auf den interessanten, da stark bevölkerten Frischmärkten der Zentren kauft man Fleisch, Gemüse und Milchprodukte. Das Retourgeld muss man nicht zählen, der Betrag stimmt sicher, denn die mongolischen Marktfrauen sind sehr ehrliche Geschäftspartnerinnen.

Fotogalerie

Mongolei: August 2011 - Teil 1