Juli 2011

Mongolische KameleMongolische Kamele

Aufgefallen in Russland

Tankstellen sind stark bewacht oder das Kassenhaus total vergittert. Treibstoffmenge muss im Voraus bekannt gegeben und bezahlt werden. Bei alten Anlagen funktioniert der Zapfhahn noch ohne Abstellautomatik!

Kurz vor Novosibirsk hatten wir ein eindrückliches, für uns ungewöhnliches Erlebnis. Vom Horizont her kamen uns nur dreissig bis vierzig Meter über der Strasse fliegend, 12 riesige Kampfhelikopter entgegen - immer zwei nebeneinander. Wir waren dankbar, erlebten wir dieses Schauspiel zu sogenannt friedlichen Zeiten. Unheimlich war es trotzdem.

Die Insel Olchon im Baikalsee war für uns ein spezielles Naturerlebnis. Wir sind froh, dass wir vor den grossen Ferien der Russen die fast menschenleere Insel erfahren durften. Verschiedene wunderschöne Lagerplätze mussten wir aber zuerst vom Müll säubern. Die Einheimischen sind im Umgang mit der Natur noch sehr unsensibel. Besonders nach einem Picknick wo unweigerlich Bier und Wodka dazugehören, wird alles an Flaschen und Verpackungen liegengelassen.

Bei unseren Spaziergängen in Randgebieten von Städten oder in Dörfern ist uns aufgefallen, dass die Wasserversorgung vielerorts noch über zentrale Brunnen funktioniert. Viele Leute wohnen noch in armseligen Baracken. In sibirischen Dörfern sind die ein bis zweigeschossigen Häuser fast ausschliesslich aus Holz gebaut. Dieses isoliert gut gegen Hitze und Kälte. Vor wie Gartenhäuschen aussehenden Hütten, stehen aber oft neue 4x4 Allradfahrzeuge. Das Auto hat auch in Russland einen sehr hohen Stellenwert. Östlich es Urals ist der Anteil von rechtsgesteuerten Fahrzeugen ungefähr 1:1.

Sofern wir in Ortsnähe standen, hatten wir dauernd Besuch von Einheimischen. Sie meinten, wir seien eine staatliche, ambulante Sanitätsstation. Unser Schweizerwappen auf der Vorderfront wird sehr oft falsch interpretiert. Teils begründet, denn es gibt in Russland auch Apotheken, die wie in auch Südamerika das weisse und nicht das rote Kreuz verwenden. Wir hatten dadurch vermehrt Kontakt mit Einheimischen und bei einigen Strassenkontrollen herrschte wohl auch lange genug Unklarheit, so dass wir nicht aufgehalten wurden.

Alkohol wird innerhalb der Läden in einer separat zu betretenden Abteilung verkauft und muss beim Verlassen dieser Abteilung auch dort bezahlt werden. Es gibt ein vielfältiges Angebot. Einheimische Schnäpse sind sehr preiswert. Bei ausländischen Spezialitäten sind die Preise mit der Schweiz vergleichbar. Weine gibt es von allen weinproduzierenden Kontinenten. Wir haben uns bekannte Sorten aus Südafrika wie Südamerika gekauft. Die Weissweine sind vom Jahrgang her etwas mit Zapfenrisiko behaftet. Bezahlen kann man mit Visa- oder Maestro-Karten. Überhaupt ist Geldbeschaffung mit diesen beiden Kartentypen überall möglich. Auch schon in kleinen Läden hat es meistens ein bis zwei verschiedene Bankomaten.

Bei der Ausreise wurde unser sehr guter Eindruck von den Grenzbeamten welchen wir von der Einreise her hatten, stark revidiert. Wir erfuhren Willkür von drei jüngeren Offizieren, die uns einen Tag Ärger und Umtriebe bereiteten. Schlussendlich gab es eine Win-Win-Situation. Sie hatten uns mit Hilfe eines überspitzten Bürokratismus aufgehalten und geärgert, wir sind uns treu geblieben und haben das Problem ausgestanden, und nicht mit Geld geregelt.

Einreise Mongolei und Dieselengpass

Bei der Einreise in die Mongolei trafen wir einen sehr hilfsbereiter Chefbeamten. Nach einer Stunde ist alles geregelt, inklusive Abschluss der Versicherung für Robusto und das Quad. Ein Deutscher Tourenorganisator, der sich nicht outete und mit uns englisch sprach meinte, die Touristen mit eigenem Fahrzeug seien so unvernünftig und kämen in die Mongolei, obschon es keinen Diesel gäbe. Wir sagten ihm, dass wir dieses Problem sicher in den Griff bekämen, da wir momentan unsere Tanks voll hätten, was uns eine Autonomie von über 2000 KM gäbe.

Welch ein Unterschied zu Russland - es wird wieder gelacht, die Leute winken und man kann wieder einen Lagerplatz wählen, wo man will. Vieles ist zusätzlich auch wieder in Englisch beschriftet - ein touristenfreundliches Land - ein komplett anders wirkendes Volk.

Dieselproblem

Auf dem Schwarzmarkt in UB erhielten wir 240 Liter und damit waren die Tanks von Robusto wieder randvoll. Zusätzlich hatten wir im Bad in abgedichteten Speiseölkannen noch ein Lager von hundert Litern angelegt.

Ab 300 KM ausserhalb von UB bekamen wir an fast jeder Tankstelle mengenreduziert Diesel. Unser freundliches Winken bei zwei LKW-Chauffeuren liess sie umgehend anhalten. Die Fahrer dieser Dieseltankzüge verkauften uns dann gerne ihre 100 Liter, welche sie in Plastikbehältern separat mitführten und somit ihr Gehalt etwas aufbessern konnten.

Je weiter wir in die Gobi eindrangen, desto problemloser bekamen wir erstaunlicher Weise in den abgelegensten Ortschaften jede Menge Diesel zu einem leicht erhoehten Preis. Wir standen nach rund 1‘500 Km mitten in der Gobi voll eingedeckt mit Diesel.

In diversen Internet-Foren tönte es wie fast immer etwas dramatischer!

In der Gobi

Wir fahren von unserem Übernachtungsplatz in einem Dünenkessel bis kurz vor Khongor, wo wir den Dünen-Erg Khongoryn Els durchqueren. Viel Weichsand, aber technisch nichts Spektakuläres. Ein einheimischer Motorradfahrer hatte da schon mehr Probleme. Er verharrte beobachtend auf einer Düne und erwartete, dass wir im darauf folgenden, langen Weichsandfeld absaufen würden - das geschah aber nicht.

Bei einer Jurte mit Kamelen standen zwei kleine, russische Touristenbusse. Wir wollten nach dem Weg nach Bayanlig fragen. Eine deutschsprechende Mongolin, als Dolmetscherin üer 9 deutsche Reit-Touristen unterwegs, übersetzte uns die Wegbeschreibung ihres mongolischen Chauffeurs: vor dem ersten Saxaul-Wald rechts hoch und dann auf die zwei schwarzen Felsen zufahren. Dies war die Beschreibung für 160 Km Weg in der Gobi. Wir hatten in 80 Km einen GPS Punkt. Dies wird einem manchmal aber zum Verhängnis. Nimmt man deshalb eine Piste, welche zuerst während vieler Kilometer in der allgemeinen Richtung stimmt, dann aber nach 20 - 30 Km extrem wegdreht, hat dies eine Sucherei nach einer Spur in die richtige Richtung zur Folge. So fuhren wir mehr als 15 Km langsamst einfach durch von vielen ausgetrockneten Flussläufen durchzogenes Gelände. Wir hatten richtig Spass daran, endlich mal „off the road" fahren zu können und konnten mit der Situation „verloren gehen zu können" gut umgehen. Sicher auch dadurch, dass wir genügend Diesel und Wasser hatten und wir in den vielen Weichsand-Feldern dank Robusto mit Untersetzung und Allrad locker durchfahren konnten.

Schlussendlich sind wir gegen Abend auf einer Piste gelandet. Mit dem Mapsource Programm bestimmte Brigi unsere Position auf der World-Map.Dies nützte aber nicht viel, da für dieses Gebiet kaum Strassen/Pisten eingezeichnet sind. Ich übertrug die Koordinaten nach alter Art in unseren mongolischen Strassenatlas 1:1 000 000. So sahen wir auf dieser relativ guten Karte, wo sich die nächste Piste befand und wohin sie führte. Dies und zwei von Brigi bestimmte Wegpunkte halfen uns am nächsten Tag sicher ans Etappenziel zu gelangen.

Wir genossen eine abwechslungsreiche Gobi-Landschaft und benötigten sogar einmal für eine Strecke von 120 Kilometer über 6 Stunden, sahen jedoch keinen einzigen Menschen, möchten aber keinen Meter missen!

Mitten in der Gobi leerten wir die 100 Liter Treibstoffreserve in den Tank und die Tankanzeigen standen wieder auf randvoll. Anschliessend genehmigten wir uns in der frei gewordenen Dusche eine erfrischende Abkühlung.

Die Befürchtungen, dass die Treibstoffversorgung auf dem Land gleich null sei, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Schon sehr beruhigend, denn ohne Diesel hätten wir unsere 3 Monate Mongolei-Pläne extrem umgestalten müssen!

Fotogalerie

Mongolei: Juli 2011 - Teil 1