März 2015

Afrikanischer AbschleppdienstAfrikanischer Abschleppdienst

Rescue Central Kalahari

Für unsere erste grosse Offroad Tour im Südlichen Afrika planten wir, die Central Kalahari von Süd nach Nord zu durchfahren. 800km durch den grössten Nationalpark der Welt...

Nach 300km und vier Tagen tiefsandiger, schmaler Piste in der Central Kalahari setzt plötzlich die Luftfederung des Discovery aus und er senkt sich ab. Das Fahrzeug sass somit völlig im Sand fest. Noch bevor wir ausgestiegen sind , sehen wir vom linken hinteren Rad Rauch - schon Sekunden später Stichflammen. Zuerst versuche ich mit unseren 2 Feuerlöscher aus dem Fahrzeug eine Katastrophe abzuwenden; gelingt nicht. Erst der 3. Feuerlöscher vom Commander und haufenweise Sand killen das Feuer. Während ich (Edy) diese Situation glückhaft meisterte, holte Brigi das Satellitentelefon und unsere Reisepässe aus dem Fahrzeug. Dann standen wir erst für einige Minuten still und liessen das Geschehene Revue passieren.

Nach neun Jahren Reisen brauchten wir nun erstmals für einen Notfall unser Satellitentelefon Iridium und telefonierten damit mit der Cross Country Versicherung, welche für uns den Abschleppdienst organisierte.

Am übernächsten Morgen trafen Peter und Nyman von Südafrika (880km) her ein. Wegen der extrem schlechten Pistenverhältnissen liessen sie eines der Abschleppfahrzeuge mit ihrem Trailer 100km ausserhalb des NP stehen. Mit dem 2. Fahrzeug, Toyota LandCruiser, sind sie über den West Eingang zu unserer Pannenstelle reingefahren.

Ihre Idee war, unsere Fahrzeuge nacheinander mit dem Toyo die 100km bis zur vernünftigen Gravel Road rauszuziehen. Als sie aber zuerst meinten, sie könnten beide Fahrzeuge miteinander rausziehen, habe ich Ihren Sachverstand schon etwas bezweifelt. Nur schon für den Discovery alleine hatten wir mit dem Toyo nicht die geringste Chance. Also hängten wir den Commander an und fuhren die 23km westwärts bis zum Xade Camp.

Die Ranger hatten dort einen Ferguson Traktor, bei welchem zum Starten aber zuerst noch die Batterie überbrückt werden musste. Mit diesem fuhren Nyman und der Ranger zum Discovery zurück. Brigi blieb im Camp und Peter und ich quälten uns mit dem Toyo und dem angehängten Commander durch die absolut extreme Sandpiste 70km nach Westen bis zur Gravel Road, dem Abstellplatz des 2. Abschlepp-Fahrzeuges. Unterwegs mussten wir mehrmals den überhitzten Motor mit auf der Ladefläche mitgeführtem Wasser kühlen. Der 4.2 Liter 6 Zylinder Toyo war mit diesen Verhältnissen, über 40 Grad, tiefer Sand und dem Commander angehängt, überfordert.

Auf der Rück-Fahrt in den Park hängten wir den leeren, zweiachsigen Abschlepp-Trailer an. Unterwegs wechselten wir in nur 10 Minuten mit dem Hi-Lift Jack einen aufgeschlitzten Reifen am Toyo. Unser beider Wasser Verbrauch stieg wegen der Hitze gewaltig.

Zurück im Xade Camp trafen wir nur Brigi und waren erstaunt, dass der Traktor mit unserem Discovery noch nicht am Gate eingetroffen war.

So fuhren wir mit dem Toyo inkl. Abschlepp-Trailer erneut bis zum Discovery. Der Ranger mit dem Traktor und Nyman begrüssten uns sehr durstig. Sie waren frustriert, denn der Traktor hatte den Discovery an einer Kette nur einige wenige Kilometer bis zur nächsten Tiefsandstelle ziehen können. Dort saß er wegen dem Nicht-Funktionieren der Air Suspension erneut fest.

Mit der Seilwinde, Max Traxs und Eigenleistung vom Disco stand dieser eine halbe Stunde später dann verzurrt auf dem Trailer. Leider reichte die Zugkraft des Toyo und dem vorgespannten Traktor im Tiefsand auch nicht aus, um den Doppelachstrailer mit dem aufgeladenen Discovery auf der Tiefsand-Piste zu ziehen.

Wir gaben beim Eindunkeln für das Erste auf und hängten den Trailer ab und liessen ihn mitten auf der Piste stehen. Erneut stellten Brigi und ich uns hinten auf die Ladefläche des Toyos. Nyman fuhr den Toyo, und Peter machte es nach seiner Tagesleistung von 210km Tiefsand fahren auf dem Beifahrer Sitz bequem. So waren wir spät nachts noch dreieinhalb Stunden für die hundert Kilometer bis zu unserem Commander zurück unterwegs.

Wir verabschiedeten uns von den Beiden. Sie fuhren die restlichen hundert Kilometer bis Ghanzi auf der guten Gravel Road wahrscheinlich in Rekordzeit, um dort zu Schlafen und nach einer machbaren Lösung für das Rausbringen des Abschlepp-Trailers mit dem aufgeladenen Discovery Ausschau zu halten, und auch ihre Diesel-Trink-Verpflegungs-Vorräte wieder zu ergänzen.

Anderntags am Mittag waren die Beiden mit einem uralten Toyota LKW und drei Schwarzen zurück bei uns, um unseren Discovery und den Abschlepp-Trailer in hundert Kilometer Entfernung rauszuholen. Ich mochte nicht wieder 200km hinten auf dem Toyota Pickup durchgeschaukelt stehen und verzichtete auf die Teilnahme. Leider, wie sich im Nachhinein rausstellte.

Wahrscheinlich hätte ich durch insistieren auf eine seriöse Befestigung des Discovery auf dem LKW einige krasse Schäden an unserem Fahrzeug, entstanden während des 200km langen Transportes bis Ghanzi verhindern können.

Morgens um 4 Uhr war die Gruppe nach 13 Stunden bei uns zurück. Wir hängten unseren Commander an das 2. Bergungsfahrzeug, welches leider nur eine Achse getrieben hatte und somit vorher im Sand nicht eingesetzt werden konnte.

Der Discovery stand auf dem LKW, und der leere Abschlepp-Trailer war an dem Toyo angehängt. So ging es verhältnismässig zügig die 100km Gravel Road nach Ghanzi.
Unterwegs wechselten wir noch den 3. Platten Reifen am selben Toyo , es waren nicht die Neusten, während dieser Bergungstour.

Die nächste Überraschung war dann die Polizeikontrolle eingangs Ghanzi, welche den LKW mit unserem aufgeladenen Discovery wegen fehlender Wagenpapiere und Fahruntauglichkeit mal beschlagnahmte.

Wir fuhren mit den zwei Bergungsfahrzeugen nach Ghanzi rein um am Einten, dem Toyota die Dieselpumpe zu wechseln und die Reifen flicken zu lassen.

Die Schwarzen hatten zwischenzeitlich das Problem mit dem LKW und der Polizei wohl auf afrikanisch gelöst, so dass wir vier Stunden später den Discovery bei einer Naturrampe sprich Strassengraben abladen und auf den Bergungstrailer aufladen konnten.

Anschliessen fuhren wir die 900km bis über die südafrikanische Grenze nach Zeerust, nur unterbrochen durch Tankstopps und Grenzübergang. So kamen wir mit unseren beiden Fahrzeugen, das Eine angehängt, das Andere aufgeladen um Mitternacht bei der Zentrale des Abschleppdienstes an.

Nachdem am folgenden Morgen der alte Bergungs-Toyota wieder einmal mehr geflickt wurde, fuhren wir die restlichen dreihundert Kilometer noch bis Johannesburg. Den Commander platzierten wir auf unserem Heim Camping Country Park, den Discovery lieferten wir bei Steve Bailey, wie von der Versicherung gefordert, ab.

Über die mühsamen, wochenlangen Verhandlungen mit der Cross Country Versicherung, welche noch immer nicht beendet sind, berichten wir Ende April. Unser Discovery soll anscheinend repariert werden. Da er noch zwei Jahre Garantie hat, und diese weiterhin gewährt werden muss, darf die Reparatur nur durch eine offizielle Land Rover Vertretung und nur mit Original Ersatzteilen durchgeführt werden! Nach der Reparatur wird er von einem Experten gecheckt. Anschließend werden wir ihn verkaufen.

Wir haben uns schnellstmöglich für ein im extremen Gelände verlässlicheres Fahrzeug umgesehen. Keines mit Luftfederung, welche bei Überhitzung des Kompressors oder einem sonstigen Defekt ausfällt und ein völliges Absenken des Fahrzeuges verursacht.

Ein neuer Toyota LandCruiser V8 Diesel Doppelkabiner kam unseren Vorstellungen am Nächsten. Bis zu den Notizen Ende April dürfte er sehr gut ausgebaut sein. Auch darüber berichten wir dann.

Fotogalerie

Botswana: März 2015