Namibia - Im KaokoveldNamibia - Im Kaokoveld

Ein Lebenszeichen

Montag, 8. März 1999 / S-17°15′003" / E-12°26′237"

07.45 Uhr: Tagwache bei 26 Grad im Fahrzeug - der Kunene fliesst ruhig - die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen - Eselsgeschrei - Vogelgezwitscher
ID & PD, dann ein gemütliches Frühstück unter 200- bis 300-jährigen schattenspendenden Akazienbäumen - wunderbare Aussicht über den Grenzfluss auf das nördlich gelegene Angola

09.30 Uhr: nach eintägiger Pause Start zur heutigen Tagesetappe, in südlicher Richtung durch das Tal Marienfluss - Fahrt auf schmaler sandiger Piste, durch grasbewachsene (Ende der Regenzeit) rote Dünenlandschaft - die schon oftmals gesehenen Springbockherden und mehrere Strausse, die mit gestreckten Hälsen davontraben, sowie Zebraherden kreuzen unseren Weg - das eindrückliche Erlebnis der Elefantenbegegnung wie im Flusstal des Huanib, wiederholt sich leider nicht - Durchquerung mehrerer Flussbette ohne hohen Wasserstand

noch vor 3 Tagen, 100km südlich am Fluss Hoarusib rettete uns, beim Versuch den Fluss zu durchqueren, nur noch der Rückwärtsgang mit allen Diff-Sperren vor dem Absaufen im sandig-schlammigen Flussbett - Routen musste wegen zu grosser Schlammlöcher geändert werden - TCS & ACS sind im Kaokoveld leider nicht verfügbar

nach 60km zügiger Fahrt erreichen wir Roiidrum, eine Weggabelung signalisiert mit einem roten Fass - da treffen wir ein deutsches Paar, unterwegs mit einem Mietfahrzeug in der Gegenrichtung - Informationsaustausch

die nächsten 65km sind wegen ausgewaschener Piste nervig - am westlichen Horizont befindet sich der Skeletton (Diamanten) Park, Zugang strengstens verboten - dank kühlem Atlantikwind klettern die Temperaturen heute nur auf 34 Grad.

Orupembe: Verpflegungshalt, ein Ort auf der Karte, tatsächlich eine verlassene Nomadensiedlung/Kraal und eine Wegkreuzung

Nach 800km Sandfelder und ruppiger Pisten öffnen wir nun den Reservetank und fahren weiter nach Opuwo Richtung Osten

Bergige Landschaft - Zebraherden

17.00 Uhr: Lagerplatz - eine Passhöhe mit toller Fernsicht - nach einem feinen Nachtessen, Lagerfeuer und betrachten des Sternenhimmels beschliessen wir den Tag und verziehen uns ins Bett.

Dienstag, 9. März 1999

Morgendämmerung - eine vorbeiziehende Ziegenherde begutachtet unseren Lagerplatz - Abfahrt
Bäume auf felsigen Hügeln - blühende Sträucher - Schluchten - verlassene Himbakraals - Brunnen - eine Berg- und Talbahnpiste - Flussdurchquerungen - vor uns zieht ein Gewitter auf - Tropenregen - Piste wird zur Rutschbahn - überall Wasser - was fehlt uns noch? - die Piste verläuft durch einen reissenden Fluss - müssen wir da durch? - Edy meint ja! - plötzlich, vor dem anderen Ufer ein tiefes Loch - Diff-Sperren machen fast alles möglich, wenn man sie vor der Durchfahrt aktiviert - wiederum kein Problem für unseren Lasti - aber knapp war es trotzdem
Nach einer Etappe von rund 980km einsamer Fahrt im Kaokoveld erreichen wir nach 10 Tagen wieder Zivilisation - Tankstelle = not always fuel, bottel store, Lebensmittel= keine Frischwaren, Wasser nachtanken.

Lager am Ufer des Flusses Hoarusib unter Palmen, 60km westlich von Opuwo
Edy vereinbart mit neugierigen Himba-Frauen wegen schlechten Lichtverhältnissen einen Fototermin für den folgenden Morgen, kommuniziert wird mit Zeichensprache und in Schyzerdütsch - leicht können dabei Missverständnisse entstehen: die Frauen interpretierten Edy′s Schlafzeichen für Morgen, mit einem nächtlichen Termin

Fernes Donnergrollen - Wetterleuchten in der Ferne - Essen am Lagerfeuer

Ein plötzliches Rauschen und das 30 Meter breite trockene Flussbett wird innerhalb weniger Sekunden durch eine enorme Flutwelle gefüllt - es rauscht und tost - überwältigt und glücklich lassen wir dieses Szenario auf uns einwirken - froh, dass wir unser Lager wie gewohnt am, und nicht im Flussbett aufgeschlagen haben

Mittwoch, 10. März 1999

07.00 Uhr: 3 Dorfschöne, 4 Jungs und der Dorfchef, als Aufpasser und Gabenempfänger warten vor dem Lasti - Maismehl, Zucker und Edy′s Militärkaput wechseln den Besitzer - bei ungezwungener Stimmung kann locker fotografiert werden

los geht′s zum heutigen Ziel Epupa Falls - gute Schotterpiste die ersten 140km bis Okongwati - einzige Abwechslung die Durchquerung wasserführender Flüsse - dann 80km raue, ruppige und teils steile, felsige Piste - Durchschnittsgeschwindigkeit 10 bis 15km
wir erreichen unser Ziel und schlagen unser Lager unter wunderschönen Palmen am Flussufer auf - wir erfreuen uns der Aussicht auf die gichtsprühenden Epupa Fals - Baden wegen zu vielen hungrigen Krokodilen nicht empfohlen - das braune Kunenewasser aus der Campingdusche erfrischt aber trotzdem.

die Ruhe und spezielle Atmosphäre genossen wir mit Lesen und Faulenzen während 4 Tagen

Unsere geschilderten Tagesetappen legten wir im Norden Namibias der Kaoko Region zurück: ca. 50′000qkm unberührte Landschaft, die Nordgrenze bildet der Kunene, der Atlantik die Westgrenze, Südgrenze der Ugab und im Osten liegt das Kaoko-Kalk-Plateau Richtung Ovamboland, Oranje und Kunene sind die einzigen ganzjährig Wasser führenden Flüsse, alle Anderen sind periodisch-episodisch fliessend in starken Regenzeiten (Dez-April), die Vegetation ist dürftig, das Land bergig.

Das Volk der Himba konnte sich durch die Abgeschiedenheit dieser Region zumindest teilweise seine ethnische Eigenheit und Kultur bewahren. Der Wohlstand und das Ansehen der ca. 5′000 Himbas werden von der Anzahl der Tiere (Rinder, Ziegen und Fettschwanzschafe) geprägt. Die Erbfolge wird matriarchalisch geregelt.
Frauen und Männer fetten ihre nackten Körper mit einem Gemisch aus Butter, Pulver eisenhaltiger Gesteine, stark aromatischer Kräuter und Myrrhe ein. Dies ergibt eine rote Farbe für die Frauen. Die Männer dagegen benutzen ein schwarz gefärbtes Fett. Sinn der Einfettung: Reduzierung des Flüssigkeitsverlustes bei grosser Hitze und Schutz vor Kälte.

Unsere bisherige Reise führte uns von Durban durch die sogenannt gefährliche Transkai über die Garden Route, entlang des Indischen Ozeans nach Kapstadt. Paarl und Stellenbosch, die Weinanbaugebiete Südafrikas blockierten uns während 8 Tagen. Mussten doch mit Degustieren in den wunderschönen Winefarms Vorrat an Weisswein für die nächsten 5 Monate auf dem Lasti eingekellert werden.

Weiter ging′s zum Kalahari Gemsbock Park, Fischriver Canyon, Lüderitz, Sossusvlei, Swakopmund über den Brandberg nach Windhoek. Grandiose Landschaften, beruhigende Einsamkeit, die Tierwelt Afrikas und die Freundlichkeit der Bevölkerung beeindrucken uns täglich wieder von Neuem. Unsere Körper haben sich an das strapaziöse Klima gewöhnt (unter 30 Grad erwägen wir bereits eine Filzjacke anzuziehen). Einzig die Malariaprophilaxe bereitete Brigitte grosse Mühe. Seit sie auf hiesige Produkte gewechselt hat, ist dies einiges besser geworden.

Unsere Aufgabenverteilung hat sich auch eingependelt:
Amigo: Securitas mit Tag- und Nachtschicht, in Städten den Lasti bewachen, Brigitte vor zudringlichen Männern beschützen, Privatsphäre bei Lagerplätzen erhalten und Tiere während der Fahrt erspähen.
Brigitte: Food- & Beverage Manager, Hilfskoch beim Grillieren, Navigator, Copilot und nächtliche Unruhen entfachen.
Edy: sorgfältiger Fahrer, eigener Mechaniker, Campingchef, Feuermann, Späher mit Töff und nächtliche Feuer löschen.

Auf der Gästefarm Sachsenheim, 20km vor dem Eingang zum Etosha National Park, in welchem wir gestern viele seltene Tiere sahen, planen wir nun die genauere Route für die nächsten Wochen.

Wir freuen uns auf Botswana und Zimbabwe, Länder mit atemberaubenden Landschaften, netter Bevölkerung und reichhaltiger, differenter Tierwelt.

Nicht zu vergessen, all′ die Abenteuer die auf uns warten.

Wir freuen uns, Euch ALLE gesund nach 6 Monaten wieder zu sehen.

Herzlichst
Brigitte und Edy

Fotogalerie

Namibia: 1999