April 2020

Karwochen-Prozession

Heilige auf der Strasse und temporäre Kunstwerke

In der ehemaligen guatemaltekischen Hauptstadt Antigua wird Semana Santa, Ostern sehr groß gefeiert. Schon ab Aschermittwoch, während der Karwochen, der 40-tägigen Fastenzeit bietet die Stadt den Menschen mit den farbenfrohen "alfombras" (Teppiche) und den außergewöhnlichen Prozessionen ein besonderes Spektakel.

Diese katholische Tradition brachten spanische Missionare nach Mittelamerika. Religiöse Figuren auf riesigen, geschnitzten Zedernholz-Plattformen, genannt "andas" werden wiegend von bis zu 50 Personen in violetten (die Farbe der Buße) Kittel gekleideten "Cucuruchas" durch die Straßen getragen. Dichter Weihrauch und musikalische Klänge kündigen den Umzug an. Einheimische und ausländische Touristen füllen die Strassen um diesen religiösen Event zu erleben.

Nicht nur die Umzüge sind sehenswert, nein auch die bunt geschmückten Straßen mit den langen "alfombras". Anwohner verteilen für diese Prozessionsteppiche zuerst Sand über die Pflastersteine, um sie zu nivellieren. Anschliessend wird gefärbtes Sägemehl in den Farben Schwarz, Rot, Gelb, Lila, Blau und Grün durch aufwendig gestaltete Pappschablonen gedrückt. Auch werden Blumen, Pflanzen, Gemüse und lange Kiefernnadeln für diese temporären Kunstwerke verwendet.

Die Fertigung der Teppiche dauert mit mehreren Personen oft Stunden. Die verschiedenen Prozessionsgruppen laufen dann darüber und zerstören damit die Kunstwerke. 

Ein Reinigungskommando mit Besen und Schaufeln werkende Männer, ein Müllwagen und ein kleiner Bagger beschließen den Zug. Dann herrscht wieder Normalität.

Wir hatten das Glück, an zwei Wochenenden nach Aschermittwoch Prozessionen in zwei verschiedenen Stadtteilen mitzuerleben. Die Hauptveranstaltung an Ostern wurde dann wegen Corona-Virus abgesagt.

Prozession in Antigua

Nomadenleben gestoppt!

Wir stehen auf einen grosszügigen, sehr sicheren Platz mit Wasser, Strom, Internet in Oaxaca und nach 6 Wochen stellt sich Alltagstrott ein. Online Bestellungen vom Supermarkt, Bäcker und Metzger werden angeliefert. Sogar Gemüse-Obst-Händler erscheint 2x auf dem Platz.
Die aktuelle Situation in Mexiko ist schwierig zu erfahren. Nicht einschätzbar ist, ob die Lage sich in den nächsten Wochen zuspitzen wird, sodass wir Unruhen befürchten müssen. Wir hoffen, dass dies nicht eintreffen wird!
Tragisch ist, dass hier in Mexiko Ärzte und Pflegepersonal in gewissen Spitälern von der Nationalgarde vor Anfeindungen der Bevölkerung beschützt werden müssen.

Pläne für die Zeit nach dem Corona haben wir verschiedene. Kommt Zeit, kommt Rat.
Zum Glück haben wir keinerlei Krankheitssymptome und es geht uns gut. Zweisamkeit auf engstem Raum sind wir uns ja gewohnt.

P.S. Für die nächsten 2 Monate haben wir noch genug Fotomaterial im Köcher. Virtuelles Mitreisen ist betreffs Corona nicht ansteckend. Bleibt gesund!